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SUMMARY:BLUE -  Feierabendkonzert in der Halle424
DESCRIPTION:Ein sommerlicher Blumenstrauß mit Gershwins legendärer „Rhapsody in Blue“ und Musik von Busoni und Debussy. Drei Komponisten am Anfang des 20. Jahrhunderts\, die unterschiedlicher nicht sein könnten. \nGeorge Gershwin\,\nRhapsodie in Blue \nSolofassung für Klavier (1924) \nFerruccio Busoni\,\nChaconne in d-moll\, BWV 1004 \naus der Partita Nr. 2 für Violine solo von J. S. Bach \nClaude Debussy\,\nSix Images\, Deuxième Livre \nIV. Cloches à travers les feuilles. Lent. \nV. Et la lune descend sur le temple quit fut. Lent. \nVI. Poissons d’or. Animé. \n\nManchmal führt erst eine List zum gewünschten Erfolg. Paul Whiteman und sein Orchester zählten zu den Mitwirkenden der erfolgreichen Uraufführung von George Gershwins Opernerstling „Blue Monday“ am 28. August 1922 im New Yorker Globe Theatre. \nWhiteman gefiel nicht nur das Stück\, er war auch vom damals 24jährigen Komponisten begeistert. Vor allem von seiner Idee\, folkloristische Musik mit Jazz zu verknüpfen und damit auch gleich den Bereich der sogenannten Ernsten Musik zu bereichern. Was lag daher näher\, daß Whiteman Gershwin ersuchte\, für ihn ein großangelegtes konzertantes Werk „in a jazz idiom“ zu komponieren. \nGershwin sah sich dazu vorerst außerstande. Er hatte Musical-Aufträge für den Broadway und London zu erfüllen\, fühlte sich Whitemans Anspruch noch nicht genügend gewachsen. Whiteman blieb damit nicht anderes übrig\, als zu einer List zu greifen. Anfang Jänner 1924 ließ er in der angesehenen „Herald Tribune“ publizieren\, daß Gershwin an einem größeren symphonischen Werk arbeite. Whiteman und sein Orchester würden es schon am 12. Februar in der New Yorker Aeolian Hall uraufführen. Gershwin\, zuerst über diese Mitteilung einigermaßen verstimmt\, nahm schließlich die Herausforderung an und schuf in der ihm verbleibenden kurzen Zeit seine „Rhapsody in Blue“. \nDie Neugier für die Uraufführung blieb nicht aus. Selbst Strawinsky und Rachmaninow\, der Pultvirtuose Leopold Stokowski\, die Geiger Fritz Kreisler\, Mischa Elman und Jascha Heifetz ließen es sich nicht nehmen\, bei diesem Ereignis dabeizusein. Gershwin hatte sich für die freie Form einer Rhapsodie für Soloklavier und sinfonisch besetzte Band entschieden. \nObgleich nicht als Unterhaltungsmusik eingestuft\, wurde dennoch die in der Sphäre der sogenannten U-Musik übliche Arbeitsteilung praktiziert: Gershwin war ausschließlich für die Komposition zuständig\, die er für zwei Klaviere notierte. Die Instrumentation vertraute man dem bewährten Arrangeur Ferde Grofe an\, der das zweite Klavier für Whitemans Band orchestrierte. Den einzelnen Musikern\, die in dessen Band spielten und überwiegend wirkliche Jazzer waren\, wurden gewisse Soli „auf den Leib geschneidert“\, so auch der berühmte Klarinettentriller mit nachfolgendem Aufwärtsglissando\, das mitreißende Initial der „Rhapsody in Blue“. \nAllen formalen Schwächen zum Trotz hält sich die „Rhapsody“ im internationalen Konzertrepertoire\, vor allem wegen des zeitlosen Charmes ihrer eingängigen Melodien\, aufgrund der vollendeten Raffinesse der Instrumentation und des brillanten Klaviersatzes\, wobei die Solokadenz mit der berüchtigten Repetitionsspielfigur gleichermaßen dem Interpreten wie der Mechanik des Flügels eine perfekte Technik abverlangt. Neben der Version für zwei Klaviere und der für Klavier und Orchester existiert eine von Gershwin selbst arrangierte und pianistisch noch dankbarere Fassung für Klavier allein. \nDie geradezu legendär gewordene Uraufführung am 12. Februar 1924 mit Gershwin am Soloklavier wurde von der Presse als Geburt der amerikanischen Musik gefeiert. \n\nDie Chaconne d-moll ist der letzte Satz von Bachs d-moll Partita für Violine solo – für viele Geiger ein Stück\, das sie ein Leben lang begleitet. \nEine Chaconne lässt sich formal an zwei Merkmalen festmachen: Ihr Thema hat den Charakter der Sarabande\, eines Schreittanzes mit schwerem Akzent auf dem zweiten Schlag. Und sie ist eine Variationsform\, die das Thema nie ganz aus den Augen verliert\, es ist immer\, in irgendeiner Gestalt\, präsent. \nBachs Chaconne hat viele Musiker dazu gebracht\, sie für andere Instrumente zu bearbeiten. Brahms schrieb sie für die linke Hand allein – buchstabengetreu\, ohne eine einzige zusätzliche Note. Ferruccio Busoni\, der italienische Pianist und Komponist\, ging 1892 einen anderen Weg und nahm sich pianistische Freiheiten\, für die er von Puristen gelegentlich kritisiert wurde. \nBusoni selbst sah seine Aufgabe nicht nur darin\, die Töne zu übertragen\, sondern auch den technischen Aufwand\, den das Werk dem Geiger abverlangt\, ins Klavierspiel zu übersetzen. Claudio Arrau sprach in diesem Zusammenhang von der „transzendentalen Kraft der technischen Schwierigkeit“. Brahms löst das\, indem er dem Pianisten nur eine Hand lässt. Busoni dagegen schreibt Bachs Chaconne in ein romantisches Klavierstück um – mit allem\, was seine Zeit dafür bereithielt. \nSolche Bearbeitungen waren für Busoni keine Nebensache: Orgeltoccaten\, Choralvorspiele\, zahlreiche Werke Bachs hat er für das Klavier eingerichtet. Viele davon sind bis heute im Repertoire. \nFranck-Thomas Link \n\nClaude Debussy gilt als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus\, obwohl er sich gegen diese aus der Malerei entlehnte Bezeichnung zeitlebens gewehrt hat. „Die Dummköpfe nennen es ‚Impressionismus“ – ein Begriff\, der so schlecht angewandt ist wie nur irgend möglich!“\, wird er zitiert. Debussy wollte mit seiner Musik Stimmungsbilder erschaffen\, ein Kompositionsprinzip\, das sich in den beiden Bänden der „Images“ besonders gut erfahren lässt. Von der Wirkung seiner „Images“ war der Komponist absolut überzeugt: „Ich glaube\, dass diese Stücke […] ihren Platz in der Klavierliteratur einnehmen werden\, […] zur Linken Schumanns und zur Rechten Chopins.“ \nIV. Cloches à travers les feuilles – Glockenklang durchdringt die Blätter \nDer Musikkritiker und Schriftsteller Louis Laloy\, der Debussy zu diesem und zu dem folgenden „Image“ anregte\, teilt mit\, dass altem ländlichen Brauch zufolge von Allerheiligen bis Allerseelen die Glocken geläutet wurden\, deren Klang sich als zarter akustischer Schleier über die herbstliche Landschaft legte. Debussy vereint hier die Reize des Lichts und das Irisieren der Blätter mit dem Klang der Glocken zu verschiedenen perspektivischen Schichten\, die Nähe und Ferne suggerieren\, verdichtet zu einem musikalisch-konstruktivistischen Naturgemälde. \nV. Et la lune descend sur le temple quit fut – Und der Mond senkt sich über den vergangenen Tempel \nEin antikes\, orientalisch geprägtes Bild mit Momenten von Stille und quälend einsamer Entrückung. Dem „Canope“ aus dem zweiten Band der Préludes ähnlich\, beschwört es nicht nur die Vision des Monduntergangs über einer Tempelruine\, sondern erscheint wie ein fernes Traumbild\, als Ahnung der Gegenwart vergangener Kulturen. \nVI. Poissons d’or – Goldfische \nAngeregt von einer japanischen Lackmalerei. Die musikalische Realität dieses Stückes geht weit über die eher beschaulichen Assoziationen\, die der Titel weckt\, hinaus und entwickelt sich mehr und mehr zu einer humoristischen Wassermusik\, die sich bei aller Strenge ihrer „harmonischen Chemie“ (Debussy) einem ungemein heiter-turbulenten Finale\, das den Hörer zu dem Sujet des ersten Images („Reflets dans l’eau“) zurückführt\, nicht verschließt. \n\nkammerkunst.de/1303/  \n\n\nFranck-Thomas Link\, Klavier
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